Rezension zu „Elihu; Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit“
von Wolfgang Wallner F.,ISBN 3-902159-13-8 http://elihu.wolfgangwallnerf.com

Roland Richter

 

Hallo Herr Wallner,

vielen Dank für Ihre beiden Mails.
Ich möchte darum bitten meine Rezension nicht vollständig auf Ihre Seite zu nehmen. Vielleicht so vier oder fünf Sätze, kein Ding.
Sie können aber gerne einen externen Link auf die Rezension bei www.vestalia.de setzen. Auch wenn das Update noch nicht hoch ist, habe ich die Rezension schon mal ins Netz gestellt: http://www.vestalia.de/html/wolfgang_wallner_f_.html
Mir war es wichtig auch diesen einen etwas kritischen Punkt in die Besprechung mit reinzubringen. Ganz ehrlich: ich finde Elihu echt toll. Nur eben nicht immer ganz einfach allem zu folgen. Bei der Besprechung habe ich mich etwas gebremst und sie nicht mit reichlich Zitaten aus dem Buch geschmückt (da gäbe es einiges, was einem frappierende Erkenntnisse bringt. Zum Beispiel die Frage nach dem Alter der Frau... so alt wie das Universum, wenn man auf die Stoffe abstellt, aus denen sie besteht.) Ich denke, man kann - wenn man mal eine neue Sichtweise auf die Dinge nimmt - zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen kommen. Das ist nicht immer einfach, weil man sich geistig bewegen (was den meisten Menschen schwerer fällt als körperliche Bewegung) und manchmal die eigene Sichtweise hinterfragen muss. Aber es lohnt sich.
Ein Vergleich, der mir da einfällt, ist der Aufstieg auf einen großen Berg. Unheimlich anstrengend... aber wenn man einmal oben ist und in die Gegend gucken kann ist das die wunderbarste Belohnung, die ich mir denken kann für so eine Strapaze.
Daher möchte ich Sie ermutigen weiterzumachen. Führen Sie ihre Gedanken weiter aus, vielleicht in einer neuen Geschichte?
Aus der goldenen Wetterau (die leider überhaupt nicht verschneit ist) sende ich Ihnen ganz herzliche Grüße ins schöne Wien.
Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Ihr
Roland Richter

 

Elihu, Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit

von Wolfgang Wallner F.

Stell Dir vor, Du findest Disketten. Auf einem Schrottplatz. Alte Disketten, die vom Besitzer weggeworfen worden sind. Mit einiger Mühe kannst Du auf sie zugreifen, und Du findest auf ihnen eine Art Tagebuch.
Diese “Hinterlassenen Aufzeichnungen aus der Ewigkeit” ziehen Dich in ihren Bann. Zufälle? Gibt es sie? Leben und Tod - eine ewige Fortsetzungsgeschichte? Wie sind unsere Schicksale miteinander verknüpft? Die Fragen ziehen Dich in ihren Bann...
Wer ist Elihu? Eine Gestalt aus dem Buch Hiob, natürlich. Aber Elihu ist mehr. Elihu ist mehr als nur der Protagonist, dessen Leben wir hier mitgeteilt bekommen. Elihu, das ist ein Stück von uns selbst. Eine Seele vom Anbeginn aller Zeiten bis hin zu ihrem Ende.

Wir erleben Elihus Weg vom Anfang bis zum Ende. Im Seinszustand des Martin, wie Elihu in diesem Leben heißt.

Martin hat einen Unfall, nach dem er im Koma liegt. Die Handlung ist aus seiner Sicht beschrieben, insbesondere sein Unterbewusstsein erlebt “out of body”, wie sein Körper aus dem Fahrzeugwrack gerettet und wieder belebt wird.

Jemima, Martins Frau, ist die weibliche Seele, die mit Elihu zusammen ist. Sie war es schon immer und wird es immer sein. Die Frau, die mit Elihu/Martin ganz direkt verbunden ist. Die ihn besucht am Krankenbett, die ihn spürt und mit seiner Seele kommunizieren kann.

Wallners Buch hat viel von Celestine. Leider springt die Erzählung manchmal etwas zwischen den Zeit- und Bewusstseinsebenen hin und her und nimmt den Leser nicht immer mit auf diese Reise. Das ist schade, würde ein “glatterer” Erzählfluß die Lesereise etwas vereinfachen.

Geistig hat Elihu sicher viele Väter: Teilhard de Chardin, Meister Eckhart, Carl Gustav Jung und David Bohm sind zu spüren. Elihu, das ist Literatur, die den Leser ganz tief anspricht. Oberflächliche Lektüre ist hier unmöglich, weil man immer wieder Gedanken entdeckt, die man einfach weiterspinnen muss.

Wallner gelingt, dass der Leser Elihu in sich persönlich entdeckt. Das Buch hat aber auch etwas Gefährliches. Man beginnt, die Dinge um sich herum mit anderen Augen zu sehen. Zu hinterfragen. Die Vielschichtigkeit des Seins zu entdecken. Was ist daran so gefährlich? Unsere auf schnellen Konsum vorgefaßter Ansichten und Oberflächlichkeit ausgerichtete Welt wird auf einmal sehr bedeutungslos, lässt man sich einmal auf Elihu ein.

In dieser Gefährlichkeit liegt die große Qualität dieses Buches. Ich wünsche ihm deshalb eine weite Verbreitung.

RRichter
www.vestalia.de