Niehammer: Hallo Wolfgang.
Wallner-F.: Hallo Ferdinand.
N: Heute habe ich eine Frage, die mir etwas schwerfällt.
WF.: Stelle sie einfach.
N: Du darfst Dich aber nicht angegriffen fühlen. Die Antwort auf die Frage interessiert mich, nicht eine Kritik an Dir als Person.
WF.: Ist schon gut, Ferdinand, vielleicht würde ich solche Kritik auch aushalten.
N: Im Buch „Elihu“ gibt es Einschübe, in denen Du immer wieder Erklärungen zu Elihus Erlebnissen beibringst.
Sind diese Ergänzungen notwendig?
Sollen sie die Gedanken des Lesers in eine bestimmte Richtung lenken?
Oder willst Du damit auf Dein Wissen aufmerksam machen? Ist es Eitelkeit?
WF.: Eitelkeit?
Kann durchaus sein. Behalte einmal diesen Gedanken.
Aber man könnte das auch ganz anders sehen.
N: Gibt es eine andere Sichtweise?
Ein Verfasser einer Rezension hat gemeint, die „harten“ Einschübe mögen für manchen Leser hilfreich sein, er selbst könne aber darauf verzichten.
WF.: Ich werde einmal sagen, was ich damit wollte:
Die Handlung beginnt mit einem Menschen, der auf einer Müllhalde Disketten findet. Das haben wir ja schon in einem Gespräch behandelt (Anm.: Über „Disketten und Wahrheit“). Nun könnte man das so sehen, dass dieser Fund nicht außerhalb der Handlung des Buches steht, sondern aus ganz wichtigen Gründen dazugehört.
N: Aus wichtigen Gründen?
WF.: Ja, schließlich führt die Handlung dahin, dass nicht mehr eindeutig feststeht, wer tatsächlich Elihu ist. Der Martin der Handlung? Der Autor? Der Leser? Auch das haben wir im vorherigen Gespräch festgestellt.
Es ist ein Mensch, der die Disketten fand, sie irgendwann lesbar und sich dann Gedanken darüber macht.
N: Manche der Einschübe empfinde ich als sehr tiefe Gedanken, manche gehören für mich eher zu einer Esoterik, die Geschäftstüchtigkeit meint.
WF.: Es sind in allen Fällen Gedanken eines Suchenden. Übernommene und eigene.
N: Ist Wissen für den „Elihu“ notwendig?
WF.: Wissen, im Sinne von einer wissenschaftlichen Behandlung eines Problemkreises ist immer notwendig.
Ich gebe Dir aber durchaus Recht wenn Du meinst, dass es dazu unzählige Gedanken und ebenso viele verschiedene „Wissen“ gibt. Vergessenes, verdrängtes, widerlegtes, unsinniges, neues, aber auch sinnvolles Wissen, Wissen, das hilft, sich zu erinnern.
N: Wissen, das hilft, sich zu erinnern?
WF.: Ja. Was ich mir auf logische Weise erschließen oder rekonstruieren kann, ist Wissen, das leichter zugänglich ist, als Wissen, das aus einem Glauben oder gar aus Gefühlen entstand. Gefühle sind nur in Erinnerungen - an Erlebnisse zum Beispiel - einigermaßen „rekonstruierbar“. Der Ausgangspunkt zur „Er - Innerung“ eines Gefühls ist intellektuell.
N: Wissen, das aus der Wissenschaft entsteht, ändert sich aber doch laufend oder wird ergänzt.
WF.: Sicher und ist natürlich vom Betrachter abhängig.
Fast wie in der Quantenphysik. Der Betrachter beobachtet Wissen oder Gedanken und ändert durch die eigene vorhandene Position das Wissen.
N: Wenn ich mich an das Buch erinnere, sehe ich auch eine Änderung im Verhalten des Entdeckers der Disketten.
WF.: So war es gedacht. Anfangs ist es übernommenes Wissen, das er anführt. Dann eigene Gedanken, zum Beispiel zum Inhalt der Bibel. Auch gibt es ein Einbringen nachgeschlagener Informationen. Später Erinnerungen eigener Erlebnisse bis schließlich bei Novalis eigene lyrische Gedanken und Gefühle Oberhand gewinnen, als Akt der Ergriffenheit.
Es gibt im Buch „Elihu“ ja auch verschieden „Sprachen“, die Unterschiede der Ebenen verdeutlichen sollen. Nicht nur im Vergleich der Sprache des Entdeckers und Erklärers mit der Sprache in den Schilderungen der Abenteuer Elihus. Das stellt sicher auch Ansprüche an den Leser.
N: Sollte der „Elihu“ so gelesen werden?
WF.: Das „SOLL“ gibt es nicht. Es wäre eine Möglichkeit.
Es gibt viele Wege, die Wirklichkeit zu entdecken.
Die Wirklichkeit kann als Realität wie ein Teilchen gesucht und gefunden werden.
Oder auch als Welle.
Ein Teilchen wäre vielleicht eine wissenschaftliche Entdeckung. Ihre Spur liegt in Zeit und Raum, die Spur ist veränderbar.
Eine Welle hingegen ist eher eine Möglichkeit, eine Wahrscheinlichkeit.
Vielleicht ein Gleichnis. Eines von Jesus oder von Dschuang Dsi. Nochmals: Carl Gustav Jung meinte: „Wirklichkeit ist das, was wirkt“.
N.: Danke für das Gespräch, Wolfgang.
WF.: Gerne, Ferdinand. Vergiss den Gedanken der Eitelkeit nicht! Das regt Dich zum Widerspruch an. So wirst Du zu „Elihu“. Dann, wenn Du Dich selbst einbringst, Dein eigenes Wissen und Deine Gefühle.
Bis bald!
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